FROETSCHER LICHTENWAGNER
ARCHITEKTEN ZT GMBH

Krematorium Wien

Barocker Spiegelteich - Übergang in eine andere Sphäre

ELEMENT WASSER
Wasser war Bestandteil der ursprünglichen historischen Parkanlage des Neugebäudes und soll als Thema in der Erweiterung des Krematoriums mit unterschiedlichen Bedeutungen wieder vorkommen.
Barocker Spiegelteich
Im Barock wurden Spiegelteiche angelegt, um die Wirkung der Architektur zu verstärken. So hatte auch das Neugebäude als nördlichen Abschluss, eine große Wasserfläche, eingepasst in die strenge Geometrie der Gesamtanlage.
Übergang in eine andere Sphäre
Gewässer sind markante topografische Elemente. Sie gliedern die Landschaft. Sie erzeugen Kategorien wie diesseits und jenseits, drüben und herüben. Die Lage des neuen Verabschiedungsraumes im Teich versinnbildlicht somit auch den Übergang in eine andere Sphäre und betont den transitiven Aspekt dieser Anordnung.
Mehrwert für Besucher und Spaziergänger
Der vorgeschlagene Teich versteht sich als verbindendes Element von Gebäude zur Landschaft, als Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas und als Mehrwert für die Gesamtanlage, von der Spaziergänger und Besucher der Parkanlage gleichermaßen profitieren. Ein Teich, welcher neben seiner architektonischen und mikroklimarelevanten Wirkung, ebenso Erholung für die Sinne bietet. Neben dem persönlichen Wohlbefinden bietet der Teich einer Vielzahl von Lebewesen, wie Amphibien, Schwimmkäfern oder Libellen, Platz zum Leben.

PRINZIP SPIRALE
Spirale als Raumidee: schwellenloser, fließender Übergang
Der Weg zum Ort der Verabschiedung ist mehr als eine Verbindung von A nach B. Er dient der Sammlung und Konzentration, er gibt uns Zeit für die Einstimmung auf einen bewegenden Moment. Der Blick in die umgebende Gartenlandschaft, durch einen Filter hindurch, unterstützt uns, Ruhe und Distanz zum Alltag zu finden.
Begegnungen in Räumen der letzten Verabschiedung sind oft sehr emotional und meist fehlt uns die Routine im Umgang mit solchen Ausnahmesituationen. Auch die Intensität der Betroffenheit ist in der Regel unterschiedlich. Diese unterschiedlichen Gefühlslagen bedürfen eines fein abgestimmten räumlichen Repertoires des Ankommens und sich Entfernens, für Nähe und Distanz. Der Verabschiedungsraum sollte ohne Schwelle vom Foyer aus betreten werden können. Der Übergang erfolgt fließend, durch Wandscheiben räumlich artikuliert.
Die Spiralform als architektonische Antwort auf ein Dilemma
Der außermittige Zugang in der symmetrischen Anlage produziert einen klassischen Konflikt. Diese „Störung“ kann aber auch produktiv genutzt werden um eine spannungsreichere, neue Balance herzustellen.
Die Spiralform ist die architektonische Antwort auf dieses Dilemma: sie bietet eine Möglichkeit um von außen in das, auf der Symmetrieachse liegende, Zentrum zu gelangen. Ohne Unterbrechung und in einer fließenden Bewegung. Gleichzeitig wird die Asymmetrie neu austariert. Der Kamin der Ofenanlage wird zu einem Teil dieser neuen Balance.

FORM
Transformation eines architektonischen Elements
Holzmeister griff in der Gestaltung des Krematoriums vorgefundene Formelemente der barocken Gartenmauer auf. Deren spitze Doppel-Zinnen ließen sich durch Spiegeln und Invertieren in einen Spitzbogen verwandeln. Eine Variation dieses Prozesses (Spiegeln und auf den Kopf stellen) führt zu schindelförmigen Elementen.
Motiv Urnengang
Der bestehende Urnengang wird als Motiv für den neuen Zugang aufgegriffen. Die Arkadierung mit Spitzbögen findet sich im Neubau Zugang/Foyer wieder: hier als inverses Motiv der seriell aneinander gereihten „Schindeln“.
Die Addition dieser „Schindeln“ erzeugt einen Filter mit von oben nach unten zunehmender Durchlässigkeit, der in seiner Wirkung an einen Hutschleier erinnert. Der Weg zum Ort der Verabschiedung bietet eine ausgewogene Balance zwischen Diskretion und Intimität einerseits und tröstlichen Ausblick in den Park und auf das Wasser, andererseits.
Im Verabschiedungsraum taucht dieses Element zweireihig auf: Der zweigeschossige Raum hat eine Laterne mit einem Lichtfilter, welcher Tageslicht kontrolliert ins Innere bringt
Fassade und Materialität
Der neue Baukörper ist in hellem Sichtbeton (Weißbeton) angedacht, welcher im Inneren mit dunklerem Holz (z. b. Eiche) kontrastiert wird.
Sichtbeton mit Innendämmung, Vorsatzschalen aus Holz. Böden aus hellem Terrazzo mit teilweise Intarsien aus dunklem Terrazzo (Verabschiedungsraum).

Credits

Team FLA:  KardelenKarakartal, Benjamin Szücs, Jo Leaud, Fabian Ladurner

Freiraum: DnD Landschaftsplanung

Beratung Teichanlage: T&P Teich und Pool GmbH / DI Marion Hanek

Tragkonstruktion: RWT PLUS ZT Gmbh

Bausphysik: RWT PLUS ZT Gmbh

Technische Gebäudeausrüstung: RWT PLUS ZT Gmbh

 

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