Gemeinschaftliches Wohnen Wien 12, Darnautgasse

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Der Neubau an der Ecke Darnautgasse Wienerbergstraße ersetzt einen Nachkriegswohnbau aus den frühen 50er Jahren, der auf Grund seines desolaten Zustandes abgebrochen werden musste. Die Widmung „Vorgarten“ an der Darnautgasse stellt in dem gründerzeitlichen Umfeld einen Sonderfall dar.  Es entsteht eine räumliche Schichtung in die Tiefe des Bauplatzes: öffentlicher Raum / Vorgarten / Gebäude / Innenhof.) Vorgeschlagen wird ein durchgesteckter, nutzungsoffener Raum, der alle Schichten durchdringt und sie gleichzeitig verbindet: ein schaltbarer Raum der es ermöglicht Öffentlichkeit und Gemeinschaft, Freiraum und Innenraum zu verbinden oder eben zu begrenzen – ein Möglichkeitsraum.

Der Vorgarten soll zum Parcours werden, einer Aktions- und Bewegungsfläche wo sich Kinder und Jugendliche aus den soz.päd. WGs mit den anderen treffen können.

„Wohnen in Gemeinschaft“ lautete das Generalthema des Bauträgerwettbewerbes 2013. Und dieser Titel war Programm: Sollten doch in dem Neubau neben geförderten Wohnungen  2 Sozialpädagogische Wohngemeinschaften der MA 11 untergebracht werden. Zusätzlich war  ein Eltern-Kind-Zentrum einzuplanen, welches fast das gesamte Erdgeschoß beanspruchte. Von den 58 geförderten Wohnungen werden zudem 27 als Smart-Wohnungen mit Superförderung (also besonders günstig) angeboten. Um all diese verschiedenen Nutzergruppen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen zu bringen, wurde das Konzept des  MÖGLICHKEITSRAUMES  entwickelt. Ein schaltbarer Raum, der es ermöglicht Öffentlichkeit und Gemeinschaft, Freiraum und Innenraum zu verbinden oder eben zu begrenzen: ein Möglichkeitsraum. Mit seinen 2 gläserne Sektionaltoren und der low-cost-low-tech Anmutung erinnert der Raum an eine Garage (und in Garagen wurden bekanntlich ja schon großartige Erfindungen gemacht und legendäre Bands gegründet…). Der Boden und eine Pergolakonstruktion werden im Freien Richtung Straße und Garten verlängert. Auf Knopfdruck können die Garagentore hochgefahren werden und der Raum hat dann seine maximale Ausdehnung.

Der Zugang zum Eltern-Kind-Zentrum erfolgt an der Ecke des Gebäudes. Eine gekrümmtes Wandelement entlang des Vorgartens bildet einen geschützten Vorbereich zur Wienerbergstsraße: zum Ankommen, Warten und informellen Austausch.  Ein großzügiger Eingangsbereich empfängt die Besucher, die zu einer Beratung oder eine der angebotenen Veranstaltungen kommen. Eine raumhohe Regalwand begrenzt die Büro- und Beratungszimmer der Sozialarbeiter und -pädagogen, Arzt und Psychologen. Sie bietet ausreichend Stauraum für Spielsachen und Informationsmaterial. und bringt gleichzeitig die Sanitärschächte der darüber liegenden Wohnungen, welche durch das ELKI durchgeführt werden müssen, zum Verschwinden. Die Verwendung von mehrfarbigen Schichtstoffplatten zusammen mit der „Palisander“-Oberfläche des Korpuses kann als kleine Hommage  an  die Objekte des Künstlers Richard Artschwagers gelesen werden.

Der zum „Parcour“ umgewidmete Vorgarten ist in erster Linie Spielplatz für die Jugendlichen, wo man auch mal laut sein darf. Er ist mit seinem durchgängigen EPDM Belag für intensive Nutzung ausgelegt. Die Lage  an der Straße, dem Möglichkeitsraum, dem WG-Haus und den ElternKind-Zentrum begünstigt seine kommunikative Funktion.

Die emmissionsreiche Straßenecke und die nur geringe Trakttiefe verlangten eine Laubenganglösung – eine Erschließungsform die im städtischen (Gründerzeit-)Kontext nicht gerade naheliegend erscheint. Die dadurch entstehende starke Horizontalität der Gänge und Geländer sollte daher mit einem durchgängigen und transluzenten Material abgmindert uns so zu einem einheitlichen architektonischen Element mit Tiefenwirkung zusammengefasst werden.

Wie ein Scheinwerferstrahl auf einen Gaze-Vorhang im Theater wirkt der Kreisausschnitt in der Laubengangfassade aus Doppelstahlmatten (DSM). Diese Wirkung wird dadurch erzielt, dass der Hintergrund deutlich dunkler ist  als das weiß beschichtete Gitter. Für den Betrachter ergeben sich je nach Blickwinkel wechselnde räumliche Eindrücke: Mal ist sie durchlässig, wie nicht vorhanden, dann erscheint sie geschlossen, fast wie eine Putzfassade.

Bezeichnung
GEMEINSCHAFTLICHES WOHNEN Wien 12, Darnautgasse
Jahr
2016
Ort
Wien, A
Funktionen
53 Wohnungen, Eltern-Kind-Zentrum, 2 Sozialpädagogische Wohngemeinschaften; Möglichkeitsraum
Bauherr
EISENHOF Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH
Auftrag
2014-12
Baubeginn
2015-04
Fertigstellung
2016-10
BGF
7.638 m2
WNF
5.380 m2
BRI
22.893 m3
Links
Wettbewerbsprojekt
Projektdokumentation