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Der Bauplatz am ehemaligen  Nordbahnhofareal zeichnet sich dadurch aus, dass er auf 4 Seiten von öffentlichem Gut begrenzt wird und somit, unseren Intentionen hinsichtlich öffentlichem Raum und Urbanität sehr entgegenkommt. Die zwei Baukörper bilden einen nach Süden hin offenen Block. Die Ecke im Nordosten  springt zurück und bildet dadurch einen kleinen Platz mit ausgeprägt öffentlichem Charakter.  Haus 1, das kleinere Gebäude, erhält seinen besonderen Charakter durch die insgesamt 11 Atelierwohnungen mit ihren 4 m hohen Räumen, deren großen Verglasungen eine repräsentative, städtische Platzwand bilden. Das L-förmige Gebäude, Haus 2, öffnet sich entlang der  beiden Straßenfronten mit seiner 2-geschossigen Eingangshalle zum öffentlichen Raum.

Der Bedeutung der Erdgeschoßzone sollte bei diesem Projekt in besonderem Maße Rechnung getragen werden. Der öffentliche Charakter wurde durch einen geschosshohen Sockel aus robustem Klinker hervorgehoben, der die zahlreichen Niveausprünge mit vollzieht und alle allgemeinen bzw. halböffentlichen Flächen aufnimmt.

Die Fensterläden liegen im geöffneten Zustand in Wandnischen der Fassade und im geschlossenen, bündig in diesen Wandnischen. Die Perforierung der Läden erinnert an das Schriftbild eines Gedichtes. Und wer es weiß, der kann hier lesen: „Das ist mein Fenster. Eben bin ich so sanft erwacht… „ Für die anderen sind die Läden ein praktischer Sonnenschutz.

Bei Haus 1 wurde der Versuch unternommen, durch eine intelligente split-level Organisation der Grundrisse, die zulässige Gebäudehöhe optimal zu nutzen und so Raumhöhen zu ermöglichen, wie wir sie sonst nur von der Belétage der Gründerzeitpalais kennen. Insgesamt 11 solcher Atelierwohnungen, mit 4m hohen Räumen, werden um ein zentrales Treppenhaus organisiert.

Die Lobby  dient der Erschließung und der beiläufigen Kommunikation. Die stark längs gezogenen Proportionen werden noch verstärkt durch die 3 Ebenen und die sie verbindenden Treppen und Rampen, welche mit Geländern und Handläufen eine Vielzahl von in die Tiefe fluchtenden Linien erzeugen. Zusammengefasst werden all diese Elemente der Bewegung von der durchgängigen Decke, die durch eine spezielle Gestaltung und dem Überfluss an Tageslicht ins Zentrum der Betrachtung rückt.
Die Aufladung der Eingangshalle, dieses wichtigsten – weil öffentlichsten – Raumes, mit Bedeutung war ein Anliegen dieses Projektes, ein Versuch, dem vielleicht profanen Thema Wohnbau eine über sich selbst hinaus verweisende Dimension abzuringen. Das Thema „interkulturelles Wohnen“ sollte sich in diesem Raum der Begegnung, wo alle Stiegen zusammenkommen, manifestieren. Ein Raum mit einem unverwechselbaren Gepräge und einer speziellen Identität sollte entstehen. In Zusammenarbeit mit  ok cool (Studierende der UdK Berlin) der Universität der Künste in Berlin wurde ein Gestaltungskonzept entwickelt, welches die zukünftigen Mieter mit einbezieht. Diese wurden von den jungen Künstlern aufgefordert, Begriffe beizusteuern, welche für sie „Heimat“ oder „Zuhause“ bedeuten. Diese und eigene Begriffen wurden dann zu Icons verdichtet, die in Summe eine zwischen abstrakt und gegenständlich changierende Bildsprache ergeben, welche dann auf die 400 m2 Decke übertragen wurde.

 

Bezeichnung
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Jahr
2013
Ort
Wien, A
Funktionen
Wohnen, start-up Büros, 2 Geschäfte
Bauherr
Kallco
Auftrag
2010-08
Baubeginn
2011-10
Fertigstellung
2013-04
BGF
16.020m2
WNF
9.323m2
BRI
52.300m3
Links
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Projektdokumentation
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